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Der Riese Erla und die Nixe

Die Sage rund um den Riesen Erla und die Nixe Blonderl

Vor vielen Jahrhunderten lebte hoch oben in den Felsen des Traunsteins der gewaltige Riese Erla, dem Macht gegeben war über Elfen und Zwerge und alle Schätze im weiten Salzkammergut. Ein Wink von ihm - und schon eilten Gnomen und Waldmännlein herbei, um ihm zu dienen!


Da begab es sich einmal an einem Frühlingstag, daß Erla aus seinen Berggemächern zum Laudachsee emporstieg, um dort den warmen Sonnenschein zu genießen. Doch merkte er oben bald, daß er an dem schönen Platz nicht allein war; denn im Wasser schwamm die Herrin des Sees munter umher - eine liebe, kleine Nixe, die der Riese noch nie zuvor gesehen hatte!


Neugierig trat er näher und schaute bewundernd dem flinken Wesen zu, das sich da so fröhlich in den Wellen wiegte, ihm zulachte und gar keine Angst merken ließ. Es dauerte nicht lange und sie kam sogar ans Ufer, setzte sich auf einen Stein und begann zutraulich mit Erla zu plaudern und von ihrem Leben am Seegrund zu erzählen.

 

Dazwischen tauchte sie ab und zu wieder unter und warf mit hellem Lachen tausend schimmernde Wasserperlen gegen ihren neuen Freund.
Der Riese war ganz entzückt von der lieblichen goldhaarigen Nixe - und als er endlich Abschied nahm, versprach er, täglich wiederzukommen. Und er hielt sein Wort!
Schnell vergingen dem ungleichen Paar die nachfolgenden Wochen und Monate und beide dachten betrübt an den bösen, kalten Winter, wo es kein Wiedersehen geben konnte.


Erla mochte aber ohne Blonderl, die kleine Nixe, nicht mehr sein; und so verfiel er auf den Plan, im Traunsee ein prächtiges Schloß für sie zu erbauen und dann mit ihr Hochzeit zu halten. Er wußte in den Schlupfwinkeln des Traunsteins eine uralte Hexe; die mußte, bis alles fertig war, seine Riesengestalt durch ihre Zaubertränke so verkleinern, daß er in der Größe zu der Seejungfer paßte - nachher gab es keine Hindernisse mehr für sein Vorhaben!

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Die Nixe war freudig mit seinen Gedanken einverstanden und so ging der Riese tags darauf an die Arbeit. Mit unglaublicher Kraft riß er gewaltige Felsblöcke vom Traunstein los und warf sie gegen das andere Ufer zu in den See - "ans andere Ort", wie die Leute sagen! Und so lange stürzte er Felstrümmer hinunter, bis aus dem dunklen Wasser eine kleine Insel emporwuchs. Auf dieser Insel "am anderen Ort" wollte er nun das verheißene Schloß errichten.


An alle seine Untertanen im Zwergenreich gab er die nötigen Befehle aus; und alsbald schleppten sie herbei, was sie zum Bauen und Einrichten brauchten: Baumstämme aus den nahen Wäldern, Marmor vom Untersberg, gemusterten Kalk vom Dachstein, Gold aus den Tauern und Silber vom Bergwerk im Jainzen. Fleißig halfen hunderte Hände zusammen und in zauberhafter Schnelle stand das Schloß Ort vollendet da - ein herrliches Schloß, das darfst du mir glauben!


Als dann auch noch die Hexe den Riesen verkleinert und der Nixe statt des Fischschwanzes niedliche Füße angezaubert hatte, gab es eine wunderbare Hochzeit in Glanz und Pracht. Die dabei anwesenden Berggeister, Elfen und Zwerge konnten später noch wochenlang darüber reden!
Fortan lebten Blonderl und Erla froh und zufrieden in ihrem schönen Schloß und die Zeit eilte unmerklich dahin.

 

Doch gegen Ende des ersten Jahres wurde die Nixe immer stiller und trauriger - und immer öfter stieg sie in die Fluten des Traunsees, von Sehnsucht nach ihrem früheren freien, sorglosen Dasein erfaßt. Trübselig streifte sie durch die blühenden Vergißmeinnichtwiesen, die Erla für sie auf dem Seegrund angelegt hatte. Ihr helles Lachen war verstummt und nie mehr erklangen ihre betörenden Lieder.
So welkte Blonderl dahin wie eine schöne Blume aus fremdem Land - und es dauerte nicht allzulange und der arme Riese war allein!


Da nahm er wieder seine frühere Gestalt an, überließ Schloß Ort dem Menschengeschlecht, und stieg hinauf zu seinem Felsenreich im Traunstein. Gesehen hat ihn seither niemand mehr!


Uns blieb das Schloß, das jährlich von ungezählten Fremden und besonders von vielen Brautpaaren aufgesucht wird. Uns blieben auch die ausgedehnten Vergißmeinnichtwiesen auf dem Seegrund, von denen Professor Dr. Morton zu Hallstatt, der im In- und Ausland berühmte Gelehrte, wörtlich schreibt, sie seien "eine märchenhafte Erscheinung" und mit ihren "lausenden blauer Sterne" nur im Traunsee zu finden.


Und als dritte Erinnerung zeigt sich uns in den Felswänden des Traunsteins ein steinernes Riesenhaupt! Ist das nicht vielleicht das Antlitz des unglücklichen Bergfürsten Erla?